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Geschichte

Das Dorf

Rottenschwil ist ein Strassendorf. Das heisst, die Behausungen gruppieren sich hauptsächlich entlang der Kantonsstrasse, welche um 1980 nach mehr als 20jähriger Planungszeit massvoll und zweckmässig ausgebaut wurde und die das Dorf auf einer Länge von mehr als 2 Kilometern durchzieht. Neue Siedlungen breiteten sich in den attraktiven Wohngebieten aus.

Unter der Bezeichnung «Rodolfswile» ist die Siedlung 1281 erstmals geschichtlich erwähnt. In einem habsburgischen Verzeichnis findet man sie dann 1306 mit dem Namen «Rotoswile». Von drei grösseren Höfen ist dabei in den alten Schriften immer wieder die Rede: dem Källerhof im oberen Dorfteil, dem Stägerhof in der Ebene und dem Fahrhof an der Reuss. Letzterer hatte (schon damals) eine wichtige Rolle zu spielen. Er lag nahe an der Reuss. Seine Bewohner betrieben eine Fähre sowie die Taverne «Zum Hechten».

Eygenlicher Abgemässner Grundriss des Lauffs der Rüss zwüschen Weerd und Hermenschwyl bey Lunckhofen. Diesr Grundriss undt darüber gesteltes schriftliche bedenckhen hat gemacht Hans Conrad Geiger, Burger, Zürich. Actum 1648.

Eygenlicher Abgemässner Grundriss des Lauffs der Rüss zwüschen Weerd und Hermenschwyl bey Lunckhofen. Diesr Grundriss undt darüber gesteltes schriftliche bedenckhen hat gemacht Hans Conrad Geiger, Burger, Zürich. Actum 1648.

Geschichte

Wirtschaftlich war die Siedlung nie zu einer grossen Bedeutung gelangt. Vom 15. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution waren Abgaben und Steuern an die Klöster von Muri und Hermetschwil zu leisten. Die Siedler waren froh, wenn sie das aus ihrem kargen Boden herausholen konnten, was sie zum Leben dringend brauchten. Immer wieder wurden sie durch Hochwasser der Reuss um die Früchte ihrer Arbeit gebracht und gerieten oft selbst in grosse Gefahr. Alte Karten zeigen, dass die Reuss im Mittelalter viele Mäander hatte und ihr Bett dauernd wechselte. Unter diesen Voraussetzungen litt das Dorf unter ständiger Entvölkerung. Jedenfalls zählte man bei der Kantonsgründung im Jahre 1803 noch 257 Seelen ohne den Weiler Werd, mit damals mehr als 100 Einwohnern. Dieser bildete bis 1898 eine eigene Gemeinde, bevor er durch Regierungsratsdekret zu Rottenschwil geschlagen wurde.

Endlich, 1860, wurden die Talbewohner von der Kantonsregierung erhört. Die Reuss wurde in ein korrigiertes und vertieftes Bett gewiesen. Der 300 Jahre alte Mühledamm – 1580 von der Äbtissin des Klosters Hermetschwil errichtet – wurde beseitigt und auf der linken Reussseite von Mühlau bis Hermetschwil ein Parallelkanal erstellt. Die vielen Altläufe der Reuss reduzierten sich stark und es konnte wertvolles Kulturland gewonnen werden. Eine mächtige Entwicklung setzte ein, so dass 1870 521 Einwohner Rottenschwiler (ohne Werder) den Bann bevölkerten. Der Aufbruch ins Industriezeitalter ging fast spurlos an der kleinen Reusstalgemeinde vorbei, bis in die 50er Jahre war man ausschliesslich damit beschäftigt, die Strukturen im landwirtschaftlichen Sektor zu festigen und zu verbessern. Gleichzeitig sanken aber die Bevölkerungszahlen auf einen neuen Tiefstand: 274 Einwohner gab es in Rottenschwil-Werd im Jahre 1950. Rund 35 noch aktive Landwirte und alle übrigen Grundeigentümer beschlossen am 21. April 1967 die Gründung einer Bodenverbesserungs-genossenschaft. Das Werk wurde in die grosse Reusstalmeloration eingebunden, die das Aargauer Volk am 14. Dezember 1969 mit knappem Mehr annahm.

Bereits 1972, nur ein Jahr nach Inkrafttreten des ersten aargauischen Baugesetzes, verfügte man in Rottenschwil schon über einen rechtskräftigen Zonenplan. Mit geschickter Erschliessungsetappierung und rechtzeitiger Lösung der nötigen Infrastrukturaufgaben hielt man die auf Sturm drängende Entwicklung in festgelegten Grenzen.

Heute sieht die Situation so aus, dass im Jahre 2000 eine weitere umfassende Nutzungsplanung abgeschlossen werden konnte, durch welche weiteres Baugebiet erschlossen wurde. Für die Gemeinde Rottenschwil, welche heute bereits über 800 Einwohner zählt, bedeutet dies, dass man sich auch in den kommenden Jahren über weitere Neuzuzüger freuen darf. Vorbereitet ist man auf alle Fälle, so wurde im Jahr 2001 das Primarschulhaus entsprechend erweitert.

Das Wappen

Wie Rottenschwil zum heutigen Wappen mit dem Hecht, dem dreiteiligen Wellenbalken und dem sechsstrahligen Stern kam, ist nicht historisch festgehalten. Es darf aber angenommen werden, dass die Taverne «zum Hechten», die erstmals 1306 in einem habsburgischen Verzeichnis erwähnt wurde, der Ursprung sein könnte. Doch erst einmal einige Hintergründe, ehe wir zum heutigen Wappen kommen:

Bei der Gründung des Kanton Aargau 1803 wurde den Gemeinden erlaubt, ein eigenes Siegel oder eben Wappen zu führen. Vorher hatte eine Landgemeinde kein eigenes Siegelrecht, dies blieb den Städten vorbehalten.

1811 hatte Rottenschwil dem damaligen Regierungsrat ein eigenes Siegel eingereicht. Dies bestand aus einem gelben sechsstrahligen Stern, einem Fisch und dem dreiteiligen Wellenbalken. Zu diesem Zeitpunkt war der Fisch jedoch noch nicht als Hecht zu erkennen, was historische Aufzeichnungen des Siegels beweisen.

Bei einem zweiten Aufruf 1872 durch den Regierungsrat an die Gemeinden, ihr Siegel einzu-reichen, hat Rottenschwil erneut das bereits 1811 gewählte Siegel nach Aarau gesandt.

1872 hat das Departement des Innern die Gemeinden des Kantons Aargau angeschrieben um herauszufinden, wie die seit 1803 entstandenen Siegel historisch zu begründen sind. Von Rottenschwil wurde keine Begründung eingereicht; wahrscheinlich war der Ursprung des Wappens in Rottenschwil schon nicht mehr bekannt.

Wir gehen davon aus, dass die drei Wellenlinien gewählt wurden, weil Rottenschwil am Wasser, d.h. an der Reuss gelegen ist. Der Hecht hat mit grosser Wahrscheinlichkeit seinen Ursprung in der Taverne namens «zum Hechten» die erstmals im Mittelalter erwähnt wurde. Der sechsstrahlige Stern dürfte auf den sechsstrahligen Stern auf blauem Grund des Kantonswappen zurückzuführen sein, der für die «Freie Ämter» steht.

Obschon das Kantonssiegel des Kanton Aargau in gewissen Teilen Ähnlichkeit mit dem Rottenschwiler Siegel aufweist (drei sechsstrahlige Sterne und Wellenbalken), darf davon ausgegangen werden, dass sich Rottenschwil bei der Gestaltung des Siegels nur beim Stern inspirieren liess. Zu der damaligen Zeit waren Vorgaben oder Vorschläge, die von der «Obrigkeit aus Aarau» kamen, eher mit grosser Skepsis aufgenommen worden.

Der Fisch im Wappen von Rottenschwil hat sich sehr spät, erst im 20. Jahrhundert, erkennbar als Hecht entwickelt. Vorher war es ein geschuppter Fisch.

Im 2002 wurde Rottenschwil vom Staatsarchiv darauf hingewiesen, dass nach Heraldik-Grundsätzen die Schuppen im Hecht wegzulassen wären. Rottenschwil hat sich mit dieser Änderung im Gemeindewappen einverstanden erklärt, was zum neuen Wappen führte.

Altes Wappen mit Schuppen

Altes Wappen mit Schuppen